Hohe Auszeichnung für Leipziger Goethe-Forscher

Die Freude ist Hilmar Dreßler aus dem Gesicht abzulesen: Mit 89 Jahren hat der Leipziger eine Auszeichnung verliehen bekommen, die Seltenheitswert genießt – er darf sich ab sofort Ehrenmitglied der Goethe-Gesellschaft zu Weimar nennen. Normalerweise wird die Ehrung im Zwei-Jahres-Rhythmus an maximal drei Forscher verliehen. „In diesem Jahr bin ich der Einzige. Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben“, ringt Hilmar Dreßler um Fassung. Die Urkunde wurde ihm jetzt in einem feierlichen Akt in Zeulenroda (Landkreis Greiz) bei der Jahrestagung aller 60 deutschen Goethe-Ortsvereine überreicht; die Auszeichnung kam von der Mutter aller Goethe-Gesellschaften aus Weimar. „Sogar eine meiner Blockflöten-Sonatinen wurde aufgeführt.“

 

Gewürdigt wird Dreßlers über Jahrzehnte währendes Engagement. Der Leipziger ist nicht nur ein gefragter Vortragsredner im deutschsprachigem Raum, sondern auch ein viel beschäftigter Buchautor. In der Laudatio sprach Jochen Golz, Präsident der Goethe-Gesellschaft Weimar, von einem „wortgewaltigen und kundigen Vermittler Goethes“. Hilmar Dreßler ist insbesondere für seine Arbeiten zum „anderen Goethe“ bekannt. „Die meisten Menschen kennen nur den literarischen Goethe –doch er war viel mehr als ein Dichter. Heute würde man ihn als Allround-Genie bezeichnen“, erklärt der studierte Musikpädagoge und Germanist, der an den Musikschulen in Leipzig und im Landkreis Leipzig unter anderem Musikgeschichte unterrichtet hat.

So hat sich Hilmar Dreßler eingehend mit Goethes Farbenlehre („ohne diese lässt sich zum Beispiel der ,Faust’ gar nicht verstehen“) und den Kompositionen sowie musikalischen Verbindungen beschäftigt. Beispielsweise schrieb Beethoven die Musik zu „Egmont“ oder ließ Goethe Mozarts „Zauberflöte“ in Weimar fortlaufend aufführen, immerhin 80 Mal. „Goethe hat mich seit der Oberschule geprägt“, erzählt Hilmar Dreßler, „schon als jugendlicher Flak-Helfer hatte ich ihn immer bei mir.“ Die Liebe zu Goethe und das besondere Forschungsprofil war durch einen Lehrer geweckt worden: Martin Loesche (1894–1980), in den 1940er-Jahren Vorsitzender des Leipziger Goethe-Ortsvereins und Biologie- sowie Chemielehrer. „Er hat den naturwissenschaftlichen Blick auf Goethe eröffnet, dem ich mein Leben lang treu geblieben bin“, erklärt Hilmar Dreßler. 

„So lange es geht, werde ich mich engagieren, um Menschen für Goethe zu begeistern“, verspricht Hilmar Dreßler.

 

+++ LVZ 23.05.2016 +++ Andreas Debski +++

 

Herzlichen Glückwunsch Herr Dreßler!