AUTORENINTERVIEW: Zum Schreiben gehört auch Disziplin

 

Osbourne Borough meint es ernst. Der 1972 in Görlitz geborene Autor hat nach dem Architekturstudium und einigen Jahren in der Baubranche seinen gelernten Beruf an den Nagel gehängt, um sich fortan ganz dem Schreiben zu widmen. Neben Kurzgeschichten und satirischer Prosa arbeitet er derzeit an einem Romanzyklus, der Sasasscus-Trilogie, einem komplexen Sience-Fiction, dessen erster Band „Meridian – Träumende Seelen“ gerade bei uns im Verlag erschienen ist. Der Autor lebt und arbeitet in Berlin.

 

Beim Lesen deines Buches wird schnell klar, dass das kein Text ist, den man in ein paar Monaten unter der Woche nach Feierabend schreibt. Du investierst in deine Bücher viel Zeit. Arbeitest du hauptberuflich als Schriftsteller?

Das ist das Ziel. Dass ich das, was ich nebenberuflich machen muss, um die Fixkosten zu decken, irgendwann an den Nagel hängen und von der Schreiberei leben kann. Die Zeit, die ich derzeit zum Geldverdienen brauche, die fehlt natürlich beim Schreiben. Gerade wenn ich auch noch, wie jetzt, immer wieder auf Lesereise bin, da rinnt mir die Zeit schnell durch die Finger.

Wovon lebst du denn zurzeit?

Im Moment fahre ich noch Pizza aus. Das mache ich viermal die Woche, abends. Eine Arbeit als Architekt, wie ich das studiert habe, ist leider nicht möglich. Das wäre ein Fünfzig- bis Sechzigstundenjob, Teilzeitbeschäftigung ist in dem Metier nicht üblich. Es ist also keine Alternative, zu sagen, ich arbeite in meinem gelernten Beruf und schreibe so nebenbei, denn das Hauptaugenmerk liegt bei mir schon auf  dem Schreiben. Das hat Priorität.

Während andere zur Arbeit gehen, setzt du dich also an den Computer und schreibst Romane?

Es gehört einiges an Disziplin dazu, aber spätestens um neun Uhr morgens sitze ich mit einer Tasse Kaffee am Tisch, lese das, was ich am Vortag geschrieben habe, denke mich also wieder in die Handlung rein, und schreibe dann, wie es halt kommt, wie es halt läuft. Irgendwann sagt mir mein Bauch, dass ich endlich mal frühstücken muss. Da kann es dann schon mittags um zwölf oder nachmittags um zwei sein.

Was ist, wenn es eben mal nicht so läuft?

Klar, man steckt in einem kreativen Prozess, den kann man sehr schlecht steuern. Ich setze mich zwar hin und mache tatsächlich so eine Art Terminplanung, aber es gibt neben Tagen, wo es läuft, wo ich ich von früh bis abends am Schreiben bin, immer wieder Tage, da kommt gar nichts zustande. Da kann ich dann auch ruhig etwas anderes machen, weil ich weiß, das, was ich heute schreibe, das kann ich morgen getrost in die Tonne treten.

Dein Roman beschreibt eine vollkommen krasse, aber absolut real wirkende Zukunft. Wo nimmst du die Ideen für deine Geschichte her.

Als Autor hat man eigentlich ständig irgendeinen Input. Das kann ein Film sein, ein Buch, eine Zeitung, auch ein Bild oder Motiv auf der Straße, wenn man in der Bahn oder im Auto sitzt, beim Spazierengehen, man schaltet ja nie ganz ab.

Die Zukunft ist in deinem Buch eine Welt künstlicher Räume. Seien es Städte wie Prag oder Frankfurt, Einkaufszentren oder Flugzeugträger – New Delhi liegt komplett unter Wasser. Hat nicht auch dein Beruf als Architekt deinen Roman geprägt.

Ich denke schon, das sind schließlich sieben Jahre gewesen, die ich mich mit Architektur intensiv auseinandergesetzt habe. So gehen mir sicherlich auch gewisse Beschreibungen leichter von der Hand. Ich kenne halt die Details, die Funktionen, denke von der Konstruktion her, weiß, wie was funktionieren muss und abläuft.

Das Buch ist auch mit einigen sehr schönen Zeichnungen illustriert. Waren das Skizzen, die während der Arbeit am Text entstanden sind?

Ich visualisiere bestimmte Sachen gern mit Studien von Grundrissen, Ansichten etc., um meine Welt weiter zu vertiefen, Atmosphäre zu schaffen und die Szenerien zu beleben. Einige dieser Zeichnungen habe ich den einzelnen Kapiteln vorangestellt.

Meridian ist ja nicht nur die Geschichte eines einzelnen Helden, sondern beschreibt die Schicksale einer ganzen Reihe von Personen und ihrer virtuellen Abbilder in der 4D. Gibt es einen Protagonisten, der dir besonders am Herzen lag?

Das verschiebt sich eigentlich ständig bei so einer Geschichte. Klar habe ich zeitweilig meine Favoriten, aber das liegt meist daran, dass ich mich gerade mit diesem oder jenem intensiver beschäftige. Wenn ich viel mit einem Charakter arbeite, dann steige ich natürlich auch sehr stark in diesen ein und habe also auch einen besseren Draht zu ihm, als zu anderen, die in der Handlung schon weiter zurückliegen.

Meridian wirkt in sich geschlossen und rund, doch einmal angefixt, will man natürlich mehr. Wann wird der zweite Band des Sasasscus-Zyklus erscheinen?

Der zweite Teil der Trilogie ist so gut wie fertig, ich feile nur noch etwas an der Struktur. Die Promotion des ersten Buches kostet allerdings auch einiges an Kraft, sodass ich zurzeit kaum dazu komme. Mein Traum ist es natürlich, das Buch bei einem größeren Verlag an den Mann zu bringen, aber als noch unbekannter Quereinsteiger und ohne entsprechende Referenzen ist das einfach schwierig. Die muss man sich erst erarbeiten. Deshalb habe ich die Veröffentlichung von Meridian auch selbst in die Hand genommen. Ich denke, mit einem gewissen Bekanntheitsgrad, ist das ein ganz anderes Level, auf dem man mit den Verlagen kommuniziert.

Dabei wünschen wir dir viel Erfolg!

Das Interview führte Matthias Häber, freier Redakteur, im Auftrag der Pro BUSINESS GmbH

www.matthiashaeber.de