Wie gründet man eigentlich einen Verlag? Für Benjamin Wolba war das ursprünglich gar nicht der Plan. Heute ist er Geschäftsführer von Visual Ink Publishing, einem Fachverlag mit klarem Fokus auf Bildung, digitale Lernformen und Open-Source-Publikationen. Im Gespräch mit Westarp berichtet er von seinen Anfängen, seiner Verlagsphilosophie und davon, wie digitale Werkzeuge kleinen Verlagen helfen, professionell zu arbeiten.
Vom Autor zum Verlagsgründer
Die Geschichte von Visual Ink Publishing begann mit einem Problem, das viele angehende Autorinnen und Autoren kennen: dem Wunsch, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Während seiner Promotion in Physik schrieb Benjamin Wolba ein Buch über Bildung in Deutschland und suchte dafür einen Verlag. Doch als unbekannter Autor erwies sich die Verlagssuche schwieriger als erwartet. „Irgendwann habe ich mir gedacht: Das kann ich auch selbst machen.“ Aus dieser Überlegung entstand die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen. Die ersten Schritte waren pragmatisch: Verlag anmelden, Bücher drucken lassen, Kartons lagern und Bestellungen selbst verschicken. „Unser erstes Buch habe ich tatsächlich hinter meinem Sofa gelagert und selbst versendet.“ Was zunächst als Lösung für das eigene Buch gedacht war, entwickelte sich schnell weiter. Immer mehr Menschen aus dem Bildungsbereich suchten nach Möglichkeiten, ihre Inhalte zu veröffentlichen. So wurde aus einem Einzelprojekt Schritt für Schritt ein professioneller Fachverlag.
Bildung als Herzensanliegen
Visual Ink Publishing konzentriert sich bewusst auf ein klar definiertes Themenfeld: Bildung. Dabei stehen insbesondere digitale Bildung, agile Lernmethoden und moderne Formen des Lehrens und Lernens im Mittelpunkt. Ziel ist es, Wissen zugänglich zu machen und Menschen dabei zu unterstützen, Bildung aktiv mitzugestalten. Für Benjamin Wolba ist Bildung weit mehr als ein Fachthema: „Bildung ist das Fundament für alles, was wir als Gesellschaft machen und entscheidet darüber, wie Menschen die Zukunft gestalten.“ Dieser Gedanke prägt bis heute die Ausrichtung des Verlages.
Open Source im Verlagswesen
Ein besonderes Merkmal von Visual Ink Publishing ist der konsequente Open-Source-Gedanke. Viele Veröffentlichungen erscheinen unter freien Lizenzen. Dadurch können Lehrkräfte, Dozierende und Bildungseinrichtungen Inhalte nicht nur lesen, sondern auch weiterverwenden und an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Die meisten E-Books stehen kostenlos zum Download bereit. Gleichzeitig können Leserinnen und Leser weiterhin gedruckte Exemplare erwerben. Gerade im Bildungsbereich eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Materialien können einfacher geteilt, weiterentwickelt und in den Unterricht integriert werden.
Ein Buch, das vieles veränderte
Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Verlages war das Projekt „Hybrid-Unterricht 101“. Im Jahr 2020 lernte Benjamin Wolba eine Community engagierter Lehrkräfte kennen, die gemeinsam ein Buch über digitale Unterrichtsformen und moderne Lernmethoden erstellt hatte. Die Autorinnen und Autoren suchten nach einem Verlag, der das Projekt unterstützt. Visual Ink Publishing entschied sich, das Buch zu veröffentlichen – mit überraschendem Erfolg. Bereits im ersten Jahr wurde das Werk rund 20.000 Mal heruntergeladen. Zusätzlich wurden etwa 2.000 gedruckte Exemplare verkauft. Für einen jungen Fachverlag war dies ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie groß der Bedarf an praxisnahen Bildungsinhalten ist.
Wenn Wachstum neue Herausforderungen schafft
Mit zunehmendem Erfolg stiegen auch die Anforderungen an Logistik und Verlagsmanagement.
Interview ansehen: https://youtu.be/BvogPfUNDmo