Zauberpferd

Monika Tworuschka: mit dem „Zauberpferd“ auf einer wundersamen Spurensuche

Wenn Kinderträume reale Ergebnisse hervorbringen, kann das nur mit einem ungewöhnlichen Zauber zu tun haben. In dem Kinderbuch „Das Zauberpferd“ von Autorin Monika Tworuschka werden die Schicksale syrischer Flüchtlinge und ihrer zurückgelassenen Verwandten mithilfe eines besonderen Pferdes zu einem guten Ende verwoben: eine im besten Sinne zauberhafte Geschichte für 9- bis 12-jährige junge Leser.

November 2021. Kinder träumen bekanntermaßen lebhaft und können manchmal das Geträumte und die Realität kaum auseinanderhalten. Je jünger sie sind, umso mehr vermischen sich die Geschehnisse. Das ergeht der 11-jährigen Leila nicht anders. Sie wohnt mit ihren Geschwistern, dem zwölfjährigen Adil und der neunjährigen Samira, sowie ihren Eltern seit drei Jahren in Deutschland. Die Flucht aus Syrien war furchtbar und beängstigend. Auch der Anfang in dem fremden Land war schwierig. Sie alle konnten kein Deutsch und mussten auf engstem Raum mit anderen Familien zusammenleben. Inzwischen hat sich vieles zum Positiven entwickelt, denn sie haben eine größere Wohnung, der Vater arbeitet und die Kinder sprechen inzwischen recht gut Deutsch und finden in der Schule, die Mädchen im Reitstall und die Jungen im Fußballverein einen guten Anschluss. Es entsteht auf mehreren Ebenen Freundschaft. Die verträumte Leila kann die neue Sprache am besten und ist stolz darauf, dass sie häufig gefragt wird, wenn es um Übersetzungen geht.

Die Schicksale

In der Nachbarschaft wohnt eine weitere syrische Flüchtlingsfamilie, mit der sich Leilas Mutter und auch die Kinder angefreundet haben: Der junge Firas ist zwölf, also so alt wie Adil, und seine Schwester Zahra ist ein aufgewecktes, lebhaftes Mädchen, das mit Begeisterung Hip-Hop tanzt. Außerdem hat sie nicht vor, sich Vorschriften machen zu lassen, was Mädchen dürfen und was nicht. Die Familie stammt aus Aleppo und lebt noch nicht so lange in Deutschland wie Leilas Familie. Am meisten vermisst Leila (und auch ihre Familie) die Großmutter sowie Tante Naima und Onkel Abdallah, die in Damaskus leben. Der Onkel ist dort immer in Gefahr, da er sich politisch engagiert. Eines Tages wird er vermisst und Leilas Familie macht sich nun große Sorgen um ihre Verwandten.

Die Träume

Zum Freundeskreis um Leila gehört auch Lena. Zu dritt nehmen die Mädchen samstags am Voltigierkurs im nahen Reitstall teil: Es ist das Highlight der Woche. Eines Tages gewinnt Leila beim Voltigieren einen Schlüsselanhänger mit einem kleinen schwarzen Holzpferd. Seitdem träumt sie von Asifa, was auf Deutsch Sturmwind bedeutet. Asifa ist eine edle schwarze Stute, ein Zauberpferd, denn sie kann fliegen. Ihr Traumpferd ist inspiriert von dem orientalischen Märchen „Das Ebenholzpferd“, das in manchen Ausgaben der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht erwähnt wird. Hier dient das Pferd aus Ebenholz einem Prinzen als Flugwesen. In Leilas ersten Träumen fliegt sie mit Asifa nach Damaskus und trifft dort ihre beste Freundin Monira, mit der sie wie früher spielt. Dann gibt es leckere Teigtaschen bei der Großmutter. Doch eines Tages ändern sich ihre Träume: Warum kann sie seit einiger Zeit ihre Verwandten nicht mehr sehen?

Nächtliche Zauberreisen

Autorin Monika Tworuschka lässt den Leser zudem in Einsprengseln in Tante Naimas Tagebuch blicken. So ist die Gefahr für die Verwandten auch im Lesefluss sehr präsent. Als im Zeltlager die Voltigierübungen zu „König der Löwen“ stattfinden, entschließt sich Leila, ihre Freundinnen in ihr nächtliches Geheimnis um das Zauberpferd einzuweihen. Dies hat erstaunliche Auswirkungen: Schließlich träumen auch Lena, Zahra und sogar Adil von dem herrlichen Pferd Asifa und erleben mit ihm fantastische Reisen. Werden die Kinder bei ihren Nachforschungen die vermissten Verwandten finden?

Fazit

Das bezaubernde Kinderbuch fasziniert Kinder natürlich mit den beliebten Themen Pferde und Freundschaft. Auch das Voltigieren verleiht der Geschichte einen eigenen Reiz. Gleichzeitig wird auf eine etwas andere Art das wichtige Thema Flüchtlinge behandelt. Es geht im Rahmen einer fantastischen Geschichte ganz selbstverständlich um Toleranz und Hilfeleistungen. Die Träume der Kinder stehen außerdem für die Sehnsucht, dass nach dem Trauma der Flucht alles wieder gut wird.

Die Autorin

Monika Tworuschka ist Islam-, Religions- und Politikwissenschaftlerin. Sie hat vier Kinder und liebt zudem Hunde, Pferde und den Voltigiersport. Außerdem ist sie eine begeisterte Freiluftschwimmerin und bei jedem Wetter und fast jeder Temperatur im Wasser. Zudem schreibt sie seit vielen Jahren Geschichten für Kinder und Jugendliche. Unter anderem verfasste sie zahlreiche Sachbücher über die Religionen dieser Welt, vor allem auch über den Islam. Ihr Mann, Prof. Dr. Tworuschka, ist Herausgeber (zusammen mit Prof. Dr. Klöcker) des Handbuchs der Religionen. Monika Tworuschka lebt mit ihrem Mann und der Labrador-Hündin Bonnie in Bad Münstereifel.

Ihr Kinderbuch „Das Zauberpferd“ ist bei BookOnDemand erschienen, in dem AutorInnen unter anderem als Selfpublisher ihre Werke verlegen können.

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