Manchmal sind es die großen Ereignisse des Lebens, die uns zum Schreiben bringen. Manchmal genügt aber auch ein Blick aus dem Fenster, eine Begegnung, ein Geburtstag, eine Erinnerung oder eine kleine Beobachtung im Alltag. Für Georg August kann all das zum Ausgangspunkt eines Gedichts werden.
Mit „Band 15, Sollte doch noch was möglich sein?“ setzt der Autor seine langjährige Leidenschaft für Gedichte und Fotografie fort. Entstanden ist eine sehr persönliche Sammlung, in der sich Heiteres und Nachdenkliches, Alltägliches und Vergängliches immer wieder begegnen.
Schreiben, wenn das Leben sich verändert
Der Titel des Buches klingt zunächst fast beiläufig: Sollte doch noch was möglich sein? Doch hinter dieser Frage steckt weit mehr.
Seit dem Tod seiner Frau im Februar 2022 hat sich auch Georg Augusts Schreiben verändert. Im Vorwort beschreibt er, dass ihm die Ideen für Gedichte nicht mehr so selbstverständlich kommen wie früher. Trotzdem sammelt er weiter Verse, Gedanken und Einfälle. Das entstehende Buch gibt ihm dabei das Gefühl, weiterhin etwas zu gestalten und etwas Sinnvolles zu tun.
So wird das Schreiben zu mehr als einem Hobby. Es schafft Beschäftigung, bewahrt Erinnerungen und gibt Gedanken eine Form.
Diese persönliche Ebene zieht sich durch zahlreiche Texte des Bandes. Gedichte wie „Zum Todestag meiner Frau“, „Rückblick“, „Heilt die Zeit Wunden?“, „Ohne dich“, „Mit dir“ oder „Zum dritten Todestag meiner Frau“ beschäftigen sich mit Verlust, Liebe, Erinnerung und der Frage, wie das Leben nach dem Tod eines geliebten Menschen weitergehen kann.
Dabei versucht Georg August nicht, Trauer in große literarische Worte zu kleiden. Seine Gedichte bleiben unmittelbar und persönlich. Gerade darin liegt ihr besonderer Reiz: Sie erzählen von Gefühlen, die viele Menschen kennen – von Vermissen und Einsamkeit, aber ebenso von Dankbarkeit für gemeinsam verbrachte Jahre.
Vom Älterwerden – mal ernst, mal mit einem Augenzwinkern
Auch das Alter ist in diesem Band immer wieder präsent.
Titel wie „Der Tag eines alten Menschen“, „Ein alter Kopf“, „Man wird nur einmal achtzig“, „Alle Menschen altern“, „Die Freuden des Alters“ oder „Noch ein alter Kopf“ verraten bereits, dass Georg August dieses Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
Dabei wird nicht ausschließlich geklagt. Der Autor beobachtet sich selbst und seine Umwelt mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Das Älterwerden bringt Einschränkungen und Veränderungen mit sich – aber offenbar noch lange keinen Grund, das Interesse am Leben zu verlieren.
Und vielleicht steckt genau darin die Antwort auf die Frage des Buchtitels: Ja, da ist noch etwas möglich.
Es gibt weiterhin Dinge zu beobachten, Gedanken aufzuschreiben, Menschen zu beschenken, Erinnerungen festzuhalten – und manchmal eben auch etwas, worüber man lachen kann.
Zwischen Trauer und Lebensfreude
Gerade diese Mischung macht den Band besonders.
Auf ernste Gedanken folgen kleine Alltagsgeschichten. Neben Gedichten über Tod und Vergänglichkeit stehen Geburtstagsverse, Beobachtungen über Tiere, Jahreszeiten, Essen, Weihnachten, Blumen oder den eigenen Garten.
Georg August schreibt über einen Maschendrahtzaun ebenso wie über Hoffnung, über Teddys ebenso wie über das Lebensende. Er beschäftigt sich mit Frühling und Winter, mit Liebe und Familie, mit Wissenschaft, Natur und gesellschaftlichen Beobachtungen.
Das Leben erscheint dabei nicht fein säuberlich in ernste und fröhliche Kapitel aufgeteilt. Beides gehört zusammen.
Ein Mensch kann jemanden vermissen und trotzdem lachen. Er kann über das Alter nachdenken und sich gleichzeitig über eine Blume freuen. Er kann sich mit der eigenen Vergänglichkeit beschäftigen und am nächsten Tag einen humorvollen Geburtstagsgruß verfassen.
Genau diese Gleichzeitigkeit bildet der Band ab.
Die Kamera als zweite Form des Erinnerns
Neben dem Schreiben gehört die Fotografie seit Langem zu Georg Augusts Leidenschaften. Deshalb stehen die Gedichte auch diesmal nicht allein.
Zahlreiche eigene Fotografien begleiten die Texte und machen aus dem Band zugleich ein persönliches Bilderbuch des Alltags. Blumen und Landschaften, Tiere, vertraute Orte, Skulpturen und andere Motive ergänzen die Verse.
Die Bilder wirken dabei weniger wie klassische Illustrationen als vielmehr wie festgehaltene Augenblicke. Was der Autor mit Worten beobachtet und bewahrt, hält er an anderer Stelle mit der Kamera fest.
So entsteht ein Zusammenspiel aus Gedicht, Erinnerung und Fotografie.
Gedichte müssen nicht kompliziert sein
Wer bei Lyrik ausschließlich an schwer verständliche Verse und komplizierte Interpretationen denkt, findet bei Georg August einen anderen Zugang.
Seine Gedichte entstehen aus dem Leben heraus. Sie erzählen von Menschen, Dingen und Situationen, die ihm begegnen oder ihn beschäftigen. Manche Texte sind nachdenklich, andere bewusst leicht, verspielt oder humorvoll.
Diese Freude am Reimen begleitet den Autor schon seit vielen Jahren. Was einst unter anderem mit kleinen Versen für Kollegen sowie Urlaubs- und Geburtstagsgrüßen begann, entwickelte sich zu einer umfangreichen Reihe von Gedichtbänden.
Mit „Sollte doch noch was möglich sein?“ ist diese Reihe nun bei Band 15 angekommen.
Und noch immer scheint ein Gedanke den nächsten hervorzubringen.
Ein sehr persönlicher Blick auf das Leben
„Sollte doch noch was möglich sein?“ ist deshalb nicht nur eine weitere Gedichtsammlung. Der Band erzählt auch von einem Menschen, der sich mit den Veränderungen seines Lebens auseinandersetzt und dabei versucht, neugierig und kreativ zu bleiben.
Trauer bekommt darin ihren Platz, ohne das gesamte Buch zu bestimmen. Das Alter wird ernst genommen, ohne dass der Humor verloren geht. Und zwischen Erinnerungen und Gedanken finden sich immer wieder jene kleinen Beobachtungen, die zeigen, wie viel es selbst im scheinbar gewöhnlichen Alltag zu entdecken gibt.
Vielleicht liegt darin die schönste Botschaft dieses Buches:
Solange wir beobachten, erinnern, lachen, lieben und etwas gestalten können, ist eben doch noch etwas möglich.
Georg August: Band 15 – Sollte doch noch was möglich sein?
Gedichte und Fotos als Hobby